Am Bärensee

Als Kind bin ich nicht gerne an den Bärensee gegangen. Erstens musste man ewig und drei Tage lang durch den Wald radeln, um überhaupt hinzukommen. Und zweitens traf man dort nie einen interessanten Menschen. Meine Freunde, meine Schulkameraden, die bevorzugten allesamt das leichter erreichbare Freibad bei uns im Ort.

Deshalb hab’ ich eigentlich auch keine Idee zum Bärensee. Meine Brüder und ich mussten bisweilen mit dorthin kommen, wenn Familienbaden angesagt war, am Sonntagnachmittag. Das bedeutete meistens Langeweile pur. Wir waren nämlich viel lieber auf eigene Faust unterwegs. „Pass auf, dass du keinen Sand auf die Decke trägst!“, viel mehr war normalerweise nicht, wenn die Alten dabei waren. Bestenfalls durften wir uns in dem kleinen Laden ein Fix-und-Foxi- Heft kaufen, um das wir uns anschließend stritten, und mit dem man sich wenigstens für eine halbe Stunde die Zeit vertrieben hat. Einfach öde. Die meisten Leute, die an den Bärensee kamen, waren sowieso nicht aus unserem Ort, weil der Bärensee ziemlich weit abseits liegt, und ungefähr 80 Prozent der Besucher waren darüber hinaus Amerikaner, in der Nähe stationierte Soldaten, und von all denen kannten wir nun mal keinen.

Aber halt.

Von wegen Amerikaner.

Einmal war ja doch was passiert.

Es hatte sich nämlich eines Sonntags die Nachricht verbreitet, dass im Bärensee ein Amerikaner ertrunken sei. Das eigentliche Ereignis hatte sich wahrscheinlich schon am Vortag oder in der Vorwoche begeben, aber unter uns Buben hielt sich mit einer wahrscheinlich aus der allgegenwärtigen Langeweile heraus geborenen Hartnäckigkeit das Gerücht, dass der Amerikaner immer noch nicht aufgefunden worden sei und also noch irgendwo da draußen im Wasser umher treibe (um es präziser zu formulieren - ich stellte mir dabei vor, daß er unter Wasser treibe).

Und wir entwickelten die Vermutung, dass man von offizieller Seite her bestrebt war, den Vorfall geheimzuhalten.

Jedes DLRG-Boot, das über den See fuhr, verdächtigten wir fortan, als verdeckte Patrouille unterwegs zu sein. Die DLRG’ler suchten nach unserer Ansicht immer noch den ganzen See nach dem ertrunkenen Amerikaner ab, ohne die Badegäste zu informieren. Man wollte wahrscheinlich ein allgemeines Aufsehen vermeiden. So jedenfalls unsere Theorie. Wahrscheinlich wollten sie verhindern, dass die Leute ihre Sachen packen und nach Hause gehen, weil niemand gerne beim Schwimmen einer Wasserleiche begegnen will. Die plötzlich vor ihm auftaucht und den bereits grün gefärbten Mund aufmacht. Vielleicht sollte auch kein Anlaß dafür gegeben werden, dass der gesamte Bärensee von der MP* abgeriegelt würde.

Und womöglich war der Amerikaner ja auch nicht einfach ertrunken, sondern ermordet worden? In dem Fall waren hier alle verdächtig, schlossen wir messerscharf. Endlich wäre also mal was los gewesen am Bärensee.

An diesem Tag vermied ich es, in den Bärensee hinauszuschwimmen. Ich blieb lieber im Nichtschwimmerbereich. Nicht mal mit der Luftmatratze überquerte ich mehr die Absperrleine. Das Problem mit dem braun-trüben Bärenseewasser ist nämlich schon immer gewesen, dass man dort nicht besonders gut in die Tiefe hinuntergucken kann. Jeden Moment hätte man also, wenn man im See schwamm, mit dem Fuß an einem unbestimmten Etwas entlangstreifen können, welches sich hernach als der ertrunkene Amerikaner hätte herausstellen können.

Und stocherten die DLRG-Leute dort hinten nicht gerade schon wieder im Wasser herum, immer noch auf der Suche nach der Wasserleiche, deren Existenz sie uns nicht eingestehen wollten?

Wir blieben also misstrauisch. Ich ließ mir von meinem jüngeren Bruder jede noch so kleine verdächtige Veränderung im Verhalten der DLRG-Leute berichten. Mal fuhren sie mit zwei Booten gleichzeitig raus, mal versammelten sie sich in auffälliger Weise an ihrem Bootssteg und diskutierten über irgendwas.

Sie benahmen sich verdächtig, kein Zweifel.

Wir beschlossen irgendwann, auf eigene Faust zu handeln, und begannen damit, entlang dem damals wild belassenen Ufer, welches an der dem DLRG-Haus gegenüberliegenden Seite des Bärensees verlief, unsere eigenen Nachforschungen anzustellen. Hier, wo Baumwurzeln und Sträucher in das Wasser ragten, hätte eine Wasserleiche angeschwemmt worden sein können. Und sie könnte dort sogar eine Zeitlang unentdeckt geblieben sein, so kalkulierten wir messerscharf.

Wir suchten also am Ufer herum. Wir stiegen zwischen toten Ästen und Gesträuch herum, stocherten mal hier, mal da im Wasser. Alles in allem: umsonst. Die mutmaßliche Wasserleiche konnten wir nicht entdecken.

Aber immerhin stießen wir irgendwann auf ein verdächtiges Päckchen. Auf einen Schuhkarton, der halb im Wasser lag und auffällig verschnürt war. Ordentlich, mehrfach kreuzweise, mit dicker Kordel fest verpackt.

Wer warf solch ein übertrieben verschnürtes Paket ins Wasser? Dieses Objekt mussten wir natürlich genauer in Augenschein nehmen.

Wir zerrten und schoben das tratschnasse und völlig durchweichte Paket mit langen Stecken aus dem Nass heraus und kratzten dann mit den Stöcken die durchnässte Pappe weg, so dass wir den Inhalt bald erkennen konnten. Das Objekt direkt mit den Händen anzufassen, trauten wir uns nicht, und ich war hernach auch froh, dass wir’s nicht gemacht haben, kann ich Ihnen sagen.

Als wir die Pappe entfernten, war zunächst etwas schwarzweißfarbenes, irgendwie weich Anmutendes zu erkennen. Und als wir die Hülle fast vollkommen auf- und weggerissen hatten, konnten wir endlich feststellen, dass es sich bei dem seltsamen Material um tierisches Fell handelte. In dem Kasten, den wir nun fast vollständig entfernt hatten, hatte sich, wie wir erkannten, eine tote Katze befunden, die nun schlaff und irgendwie verdreht zwischen den übriggebliebenen Schnüren vor uns lag.

Der Anblick widerte uns so an, dass wir das klägliche Bündel einfach liegen ließen und uns auf den Weg zurück zu unserem Lagerplatz machten.

Mein Bruder sprach auf unserem Rückweg das aus, worüber ich gerade begonnen hatte, nachzugrübeln: „Meinst du, die war schon tot, als die ins Wasser geworfen worden ist?“

„Klar war die schon tot!“ antwortete ich. Ein bisschen zu schnell, denn ich wollte mit ihm nicht darüber sprechen.

Irgendwie fand ich, dass mein kleiner Bruder für Gedanken über die Praktiken eines Tierquälers noch nicht alt genug war.

Warum einer ein Paket mit einer toten Katze darin so fest und akkurat verschnürt, die Frage habe ich noch eine ganze Weile mit mir herumgetragen. Ich meine, wie würden Sie denn eine tote Katze entsorgen? Ich vermute mal, dass Sie sich schon mal nicht die Mühe machen würden, sie ausgerechnet bis zum nächsten Badesee zu bringen. Wenn Sie sie schon loswerden wollten, dann gäbe es doch sicher andere, näherliegende Möglichkeiten, als ausgerechnet einen Badesee, oder? Und wahrscheinlich würde es auch keinen Grund dafür geben, ein totes Tier so fest, doppelt und dreifach einzuschnüren, als bestünde die Gefahr, dass es noch mal heraushüpft aus seinem Pappsarg.

Außer, es bestünde tatsächlich die Möglichkeit, dass das Vieh noch mal entfleuchen könnte.

Verstehen Sie, was ich meine?

So jedenfalls dachte ich damals über unseren Fund.

Irgendwie war mir nach unserer Entdeckung die Laune auf weitere Inspektionen bezüglich der Angelegenheit mit dem toten Amerikaner vergangen. Und auch später habe ich mich nie mehr besonders für den Bärensee erwärmen können. Ich kann es Ihnen nicht genau sagen, warum. Ich glaube, es fehlt mir dort einfach der Grad an Wildheit, den ich von einem See erwarte. Ein paar Buchten, große Bäume drumherum, weitläufige Liegewiesen. Freiraum. Es gibt dort auch zu viele Jägerzäune, wegen der vielen Dauercamper mit ihren winzigen Grundstücken. Und in den Bärensee hinaus zu schwimmen, so richtig lange darin zu schwimmen, das habe ich auch als Erwachsener nie mehr so richtig fertiggebracht. Es fehlt mir dort einfach die rechte Lust dazu. An anderen Seen habe ich diesbezüglich keinerlei Hemmungen, wirklich nicht. Wir gehen heutzutage, wenn Sommer ist, entweder ins Freibad. Oder eben an einen weiter entfernten, wesentlich größeren See, den wir in den letzten Jahren für uns entdeckt und richtig lieb gewonnen haben, mit grün schimmerndem, dennoch klarem Wasser. Dort finden Sie mich dann, wenn ich nicht auf der Badedecke weile, weit hinter der Absperrleine, wo nur wenige hinkommen.

Die meisten Leute, die man normalerweise am Badesee trifft, schwimmen nur selten weit hinaus. Die meisten bleiben lieber in der Nähe des Ufers. Achten Sie mal drauf.

Der Maulwurf kommt

Die ersten Tage mit wärmeren Temperaturen machen offensichtlich, dass es dieses Jahr mit den Maulwürfen lebhafter zuzugehen scheint, als in manchem früheren Jahr. So jedenfalls mein Eindruck. Die Tierchen graben sich derzeit durch einige Gärten in der Bruchköbeler Kirlesiedlung und werfen ihre charakteristischen Erdhaufen nach oben.

Eine Rasenfläche kann sich so schon mal in kurzer Zeit in eine Mondlandschaft verwandeln.

Es ist erstaunlich, was diese nach meiner Beobachtung bevorzugt nachtaktiven Wühler so zu leisten vermögen. Normale Tiere bewegen sich bekanntlich, wie wir Menschen, auf dem Erdboden fort. Um von A nach B zu kommen, braucht es da bloß ein paar Schritte.

Maulwürfe dagegen wühlen sich stundenlang durch die Erde, bloß um zum Beispiel die Strecke zwischen einem Blumenbeet und einem Rasenstück zu durchkämmen. Sie arbeiten sich sogar unter einer gepflasterten Einfahrt durch.

Straßenpflaster und den festgestampften Schotter darunter mögen Maulwürfe eher nicht. Diese Stoffe sind sozusagen nicht wühlkompatibel. Also wühlt sich das Tier unterhalb des Pflasterbelages voran, bis es wieder besser durchwühlbaren Boden erreicht. Die Strecke, sagen wir 5 oder 6 Meter, schafft so ein Tier in einer bis zwei Nächten. Also alle Achtung. Maulwürfe sind also eine Lebensform, die sich dem bedingungslosen Wühlen verschrieben hat. Die Wege der Evolution, sie sind einfach unergründlich.

Die Frage ist natürlich dennoch, wie wird man die lieben Tierchen wieder los?

Maulwürfe stehen unter Naturschutz und gelten darüber hinaus als Nützlinge. Sie fressen allerlei Kleingetier wie Engerlinge, Schnecken und Schnakenlarven, und lockern den Boden auf, sorgen für dessen Durchlüftung - Gartenbesitzer werden das aber für eine Beschönigung halten.

Davor, dass Maulwürfe die Wurzeln von Bäumen und Sträuchern abfressen, muss man aber offenbar keine Angst haben. Doch der Hobbygärtner scheint dem Treiben des unterirdischen Frühlingsboten hilflos ausgesetzt. Eigentlich darf man dem Maulwurf nichts antun. Der Einsatz von Gift oder Fallen ist nicht erlaubt. Man darf das Tier im Prinzip noch nicht einmal stören. Besonders geplagte Gärtner haben sich also auf das Vertreiben verlegt. Es gibt dazu im Internet Tipps, die ein bißchen an Voodoo-Beschwörungsrituale erinnern: Knoblauchzehen, Menschenhaare, Fischköpfe in die Hügel stecken, Buttermilch oder Rasierwasser draufgießen, das soll geholfen haben.

Auch das Erzeugen von Tönen soll Wunder wirken - die Leute haben sich dafür ganz unterschiedliche Aufbauten ausgedacht, die allerlei Klingklang-Geräusche erzeugen. Der Phantasie scheinen da keine Grenzen gesetzt. Wer mit solchen Methoden Erfolg hat, zieht sich aber möglicherweise den Unmut des Nachbarn zu.

Denn irgendwo muss er ja am Ende schließlich hin, der Maulwurf.

Dann kam Matthäus

Jürgen B., unumstrittene Torwartlegende der Eintracht Oberissigheim, erzählte mir neulich in einer Bruchköbeler Gaststätte, beim Gucken des Eintracht-Spiels gegen Borussia Mönchengladbach (0:1), von einem eigenen Erlebnis auf dem grünen Rasen.

Es muss so etwa 1982 gewesen sein, als Borussia Mönchengladbach einmal nach Langendiebach kam. Der Anlass war ein Freundschaftsspiel gewesen. Ich glaube, es ging damals um ein Vereinsjubiläum.

"Die machten mächtig Druck, aber eine Halbzeit lang hielten wir gut mit", so mein Gesprächspartner. "Wir ließen bis zur Pause nur zwei Tore zu."

Das war sicherlich enorm, denn Borussia Mönchengladbach gehörte auch schon zu jener Zeit zur Elite im deutschen Fussball. Die wirklich große Zeit der Borussen waren zwar die 70er Jahre gewesen (Heynckes, Netzer, Büchsenwurf), aber auch in den 80ern machte man durchaus noch sportliche Schlagzeilen. Und war sich dabei auch nicht zu schade, in das kleine Langendiebach zu kommen. Mehrere tausend Zuschauer hat das damals angelockt.

"Die haben das Spiel wirklich ernst genommen", so mein Gesprächspartner. "Und wir boten ihnen eine Halbzeit lang Paroli."

Jürgen B. hielt kurz inne. "Aber dann kam Matthäus."

Ich: "Dann kam, wer bitte?"

"Matthäus. Der Lohdar", so mein Gesprächspartner trocken.

"Im Ernst?"

"Ja, wirklich. Der spielte doch damals noch für Gladbach".

Als ob ich das nicht wüsste. Aber der leibhaftige Lothar Matthäus - in Langendiebach? Das hatte ich nicht gewusst.

"Am Ende verloren wir 9:2", so Jürgen B. trocken.

Auf der Leinwand unserer Gaststätte, also im aktuellen wirklichen Leben, erzielte nun die heutige Borussia das 1:0 gegen die Eintracht. Das wollte nun erst einmal kräftig beschimpft werden.

Als sich dann die Stimmung wieder beruhigt hatte, sagte ich zu Jürgen B.: "Es hat also damals in Langendiebach einen Lothar Matthäus gebraucht, um Euch am Ende in die Knie zu zwingen!"

"Meine Rede."

Zuhause stöberte ich dann im Internet nach Daten über Lothar Matthäus. Ich fand heraus, dass er seinen Stammplatz in der Nationalelf in den Jahren 1982 bis 1984 erobert hat. Seine Karriere ist also nach dem Spiel in Langendiebach erst richtig losgegangen.

Und später hat er dann zu Bayern München gewechselt. Alle überragenden Spieler wechseln irgendwann zu Bayern München.

Aber die wirklichen Sprungbretter fürs Leben, die stehen bisweilen an ganz unscheinbaren Plätzen. Zum Beispiel in Langendiebach.

Göttergleich

Im alten Griechenland waren die Götter des Olymp eine illustre Schar. Man wusste sich interessante Geschichten über sie zu erzählen. Mal setzte Liebesgöttin Aphrodite ihrem Angetrauten die Hörner auf. Mal legte des Göttervaters krankhaft eifersüchtige Gemahlin ihrem Göttergatten eine Szene hin, die sich gewaschen hatte.

Heute glauben wir nicht mehr an die griechischen Götter. Wir haben sie ausgewechselt. Unsere heutigen Götter sind auf die Erde herabgestiegen. Sie begegnen uns als Stars aus Film und Musik, als Adlige und als Politiker auf der "Wetten-dass"-Couch. Aus der "Bunten", der "Bild" und dem "Stern" erfahren wir zuverlässig, wer von denen gerade wieder eine Affäre laufen oder sich anderweitig daneben benommen hat.

Also konnte uns natürlich auch der Fehltritt des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle nicht verborgen bleiben.

Brüderle soll, im weinseligen Gespräch zu fortgeschrittener Stunde, gegenüber einer Journalistin, deren Name "Himmelreich" ihm wohl wie eine Verheißung dünkte, eine anzügliche Bemerkung gemacht haben. Das war vor einem Jahr. Und wie bei den olympischen Göttern, so gilt natürlich auch für einen FDP-Kandidaten: Sexismus verjährt nicht.

Also fand sich Brüderle nun im Zentrum einer Sexismus-Debatte wieder. Aus der kommt er nur dann wieder heraus, wenn er sich denn nun endlich zu einer Entschuldigung durchringt. Ganz Politiker, der er ist, wird er dafür aber sicherlich noch den richtigen Moment abwarten.-

Das Wort Sexismus verknüpft man mit Erniedrigung. Wer abhängig ist, gesteht dem Anderen oft nur notgedrungen Worte und Taten zu, die in Wahrheit Übergriffe sind. Es geht hierbei also um die Ausübung von Macht.

Was allerdings Brüderle betrifft, so scheint mir der Charakter des abendlichen Machtverhältnisses zwischen ihm und der Journalistin nicht eindeutig geklärt. Wer, bitteschön, hat in der Dauerbeziehung Politiker-Journalist eigentlich Macht über wen?

Der Politiker weiss: Auf dem Olymp steht man immerzu auf der Bühne. Ständig gucken alle zu. Und er weiss auch: Journalisten haben einen Zettelkasten.

Wohl deswegen lächeln und lachen Politiker immer so angestrengt, wenn sie in die Kamera gucken. Und sagen immerzu so aalglatte Sachen, wenn sie gefragt werden. Nicht jeder von denen hält diese Fassade auch noch abends am Tresen aufrecht.

Ich finde, wenigstens diesen Freiraum sollte man den Politikern lassen. Außer, sie zetteln eine Kneipenschlägerei an und es müssen Polizei und Krankenwagen anrücken. Aber, ehrlich gesagt, das würde ich dem Brüderle denn doch nicht auch noch zutrauen wollen.

Daniel in der Löwengrube

Neues aus dem Main-Kinzig-Kreis:

Die Abstrafung des Kreistagsmitgliedes der Grünen, Daniel Mack, tritt nun in die entscheidende Phase. Sie haben vielleicht darüber gelesen: Der junge Mann hatte über den Internetdienst „Twitter“ Kurznachrichten versendet, in denen er eigene Meinungen vertreten haben soll. Seine Mitteilungen sollen nicht mit den Diskussionsprozessen innerhalb der grünen Fraktion in Einklang gestanden haben. Es wurde also ein Tatbestand daraus.

Wegen seiner Vergehen musste Daniel Mack zunächst seinen Posten als stellvertretender Vorsitzender räumen. Inzwischen heißt es, er solle ganz und gar die grüne Fraktion verlassen.

Stellvertretender Vorsitzender, das ist bei den Grünen Main-Kinzig ganz offenbar ein wichtiges Amt. Man darf es nicht für das Verbreiten eigener Meinungen mißbrauchen. Man darf nur solche Stellungnahmen abgeben, die durch einen sogenannten fraktionsinternen Meinungsbildungsprozess gegangen sind.

Spannend finde ich, dass Daniels frischgewählter Nachfolger nun auch, lt. "Hanauer Anzeiger" vom 15.11.11, von einem vertraulichen Prozeß der „Willensbildung“ gesprochen hat. Ich vermute, dieser Prozeß einer internen Willensbildung läuft in der grünen Kreistagsfraktion so ab: Wenn man sich dort irgendwann eine gemeinsame Meinung gebildet hat, dann verfestigt sich die gemeinsame Meinung im Moment der Abstimmung zu einem gemeinsamen Willen. Die gemeinsam gefundene Meinung friert dann sozusagen ein. Es herrscht ab nun der Wille. Vom gefundenen Willen abweichende, öffentlich verkündete Meinungen werden fortan nicht mehr geduldet. Ein stellvertretender Vorsitzender hat sich daran zu halten, oder er muss seinen Posten räumen. Und diese Regel gilt auch für ein einfaches Fraktionsmitglied. Folglich muss Daniel Mack nun auch die Fraktion verlassen.

Wo der Wille herrscht, wird bekanntlich durchgegriffen. Ich fürchte, dass der Daniel dagegen keine Chance hat. Selbst wenn er jetzt öffentlich Selbstkritik üben und gar versprechen würde, seinen iPhone-Vertrag zu kündigen, dann würde ihm das nicht mehr helfen. Denn der Daniel hat im Sinne seiner Parteifreunde nicht nur einen Regelverstoß begangen. Der tiefere Vorwurf an ihn lautet nämlich, dass er einer sei, dem man nicht vertrauen könne. Das aber ist ein bodenloser Vorwurf. Einer mit härtester Ausgrenzungsqualität.

Ich habe inzwischen einige Bewunderung dafür gewonnen, wie artig der Daniel bis heute bleibt. Wie gefaßt er sich das gefallen läßt. Wie er sich immer noch standhaft mit politischen Argumenten verteidigt, wo seine früheren grünen Freunde schon längst munter damit befaßt sind, die Person zu demontieren. Davor ziehe ich den Hut.
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