Unterwegs im Netz
Die Sehnsucht nach Nähe. Die Angst vor Nähe. Der virtuelle soziale Raum.
In Deutschland treibt es Tag und Nacht Tausende auf dicht bevölkerte Versammlungsplätze, welche nirgendwo anders als auf Bildschirmen sichtbar sind – dorthin, wo Meinungen ausgefochten werden, wo Informationen, Lebenstips und auch ganz private, persönliche Geheimnisse ausgetauscht und erörtert werden.
Die Rede ist von den Diskussionsforen dieser Republik, die im Internet als Anhängsel der Onlinemagazine, aber auch auf zahlreichen Privat-Websites zu finden sind.
Dort geht es mitunter ziemlich ruppig zu. In politischen Diskussionssträngen beispielsweise wird der jeweils aktuellste Geniestreich der Regierung ebenso wortgewaltig in der Luft zerrissen, wie der Diskussionsgegner sich unvermittelt mit dem in deutschen Politdebatten beliebten Antisemitismus-Vorwurf konfrontiert sehen mag.
Längst gehören die populären Internet-Foren zum unverzichtbaren sozialen Bestandteil der Web-Kultur. Von den Tips für Häuslebauer und Aktienfreaks bis hin zu den düstersten Verschwörungstheorien findet über die Foren so ziemlich jedes Thema seine 'natürliche' Verbreitung und kollektive Erörterung. Auch sehr schräge veröffentliche Meinungen sind dort nachzulesen, weswegen in manchen Foren sehr auf die Etikette geachtet werden muß. Eigens zuständige Moderatoren weisen mitunter Teilnehmer, die aus der Rolle fallen, zurecht oder werfen sie auch schon mal ’raus aus der virtuellen Stammtischkneipe.
Die Debattenteilnehmer melden sich meistens unter einem Pseudonym an – was zum Einen ein Akt des Selbstschutzes ist, zum anderen dem Teilnehmer aber auch ermöglicht, sich zu „verabschieden” und unter anderem Namen „wiederzukommen”. In vielen Foren haben sich Communities gebildet, worunter man eine Insidergruppe von Leuten verstehen kann, die schon lange dabei sind, und die die forentypischen Etikette beherrschen bzw. sie selbst mitgeprägt haben. Forumsneulinge erleben solche „Alteingesessenen”-Gruppen dann als mehr oder weniger verschworene Gemeinschaft, deren Mitglieder im „Hatten wir doch alles schon!”- Ton dem noch Unbekannten das Leben schwer machen. Nicht selten werden Neuankömmlinge auf diese Weise aus dem Forum verbellt.
Für die Mitglieder der jeweiligen Community gibt es forenspezifische Plauderecken, in denen man zwanglos, an kein bestimmtes Thema gebunden, tratschen kann. Solche virtuelle Orte heißen dann „Café”, „Treffpunkt” oder ähnlich. Der Neuling kann sich dort einen schnellen Überblick verschaffen, wer in dem jeweiligen Forum schon länger dabei ist. Er wird auch feststellen, daß es Leute gibt, die offensichtlich tagaus-tagein 'anwesend' sind. Leute also, die in „ihrem” Forum einen Platz gefunden haben, welcher ihnen, im harmloseren Fall, zum entspannenden Zeitvertreib dient. Doch der unbefangene Beobachter wird auch die schwerwiegenderen Fälle erkennen: für manche Menschen sind die Foren, die sie regelmäßig besuchen, zum persönlich notwendigen sozialen Raum geworden. Manche stehen zu „ihren” Community-Plätzen in einem ernsten, schwer auflösbaren Abhängigkeitsverhältnis. Sie werden gegenüber Leuten, die dies thematisieren oder die schlicht ein entspannteres Verhältnis zum online-Diskutieren haben, bisweilen sogar bösartig oder zynisch.
Foren-Sucht...
Längst ist das Wort von der „Internetsucht” geprägt, und eine spezifische Variante davon dürfte die Chat- und Foren-Abhängigkeit („Forumitis”) mancher Zeitgenossen sein. Die ermöglicht es einem kontaktscheuen Menschen immerhin, mit anderen Menschen eine Verbindung einzugehen und auszuhalten - ohne dabei visuelle oder gar körperliche Nähe herstellen zu müssen.
Die damit einhergehende Vernachlässigung sozialer Kontakte stellt sich bei den ernsten Fällen alsbald ein. Für Online-Diskutierer, die darunter leiden, gilt: sie sitzen meistens länger als geplant am Computer. Sie kreisen in ihrer Freizeit um die Themen, die sie im Forum am Laufen haben (meistens haben sie mehrere Themen in mehreren Foren parallel laufen). Sie bagatellisieren ihre so verursachten Zeit- und Konzentrationsprobleme (z.B. vor der Ehefrau, dem Ehemann, den Kindern). Und sie werden nervös und reizbar „ohne” - mithin erleben sie also Entzugserscheinungen, was den Zustand als Sucht konkret werden lässt.
Paradoxerweise kann man im Internet sogar Diskussionsplätze ausfindig machen, wo Leute, die für sich selbst „Forensucht” diagnostiziert haben, ihr Problem regelmäßig online diskutieren, sich gegenseitig ermuntern und Tips für den Ausstieg aus der Sucht geben.
...Angst vor Nähe?
Es spricht vieles dafür, daß die Sucht nach bloß virtuellem Kontakt die Kehrseite einer Angst vor Nähe darstellt. Wenn man davon ausgeht, daß ein Mensch seine Sucht so lange durchhält, wie sie ihm einen (wenn auch für Außenstehende nur kleinen oder gar nicht nachvollziehbaren) Nutzen einbringt – dann ist die Frage zwingend: welcher Art ist dieser „Nutzen”?
Vordergründig läßt sich natürlich anführen, daß die Explosion an Informationen und der Möglichkeiten der Auseinandersetzung darüber, wie sie z.B. in einem Politikforum möglich ist, an einem Stammtisch mit den Nachbarn von nebenan nie erreicht werden kann. Andererseits werden mit einer bloßen Online-Präsenz aber auch die Risiken vermieden, die bei einer persönlichen Begegnung bestehen: Streit, sich- in- die- Augen- schauen (manche Leute haben genau damit Schwierigkeiten), Sympathiebekundung, Umarmung, emotionale Ausbrüche sind im rein virtuellen Raum eben bloß mittelbar erlebbar, wenn überhaupt. Dies bedeutet, daß die Risiken menschlicher Begegnung, oder die Anteile daran, welche nun mal die menschlichen Begegnungen spannend machen, in der virtuellen Begegnung ausgeblendet und buchstäblich weggeklickt werden können.
Die tragische Folge einer solchen Vermeidungshaltung zeigt sich in den Problemen, die bei Internet-Suchtpatienten inzwischen diagnostiziert sind: während sie, einerseits, vermittels ihrer Tastatur in der Lage sind, praktisch mit der ganzen Welt in „Kontakt” zu treten, erleben sie im realen Leben möglicherweise die Trennung vom Partner, eine fortschreitende Isolation unter Kollegen und in der Familie, und sie brechen schleichend mehr und mehr ihrer Kontakte zu Freunden, Bekannten oder im Verein ab. Schlicht deswegen, weil Zeit und Geist durch die „Forumitis” absorbiert sind.
Die Sucht nach dem virtuellen „Kontakt” könnte also möglicherweise nichts anderes darstellen, als die gelebte Praxis einer Flucht vor Nähe, vor Verantwortung, vor echtem und unmittelbarem Kontakt, vor Risiko, vor den Wechselfällen des Lebens schlechthin.
Der Umkehrschluß ist einfach: wem es gelingt, aus der festgefahrenen Sucht-Situation auszusteigen, der vollzieht an sich einen wichtigen Schritt persönlicher Entwicklung – heraus aus persönlicher Stagnation.
Ein ehemaliger Foren-Junkie formulierte es in einem Aussteiger-Forum so:
„Wer das Wagnis eingeht und sich von seiner kleinen, scheinbar sicheren Welt im Netz löst, der wird in der Realität SOFORT BELOHNT. Und zwar mit einem ganzen Schub neuer Emotionen, die man schon gar nicht mehr kannte, das Spektrum an möglichen Emotionen erweitert sich unheimlich und die eigene Gefühlswelt bekommt ganz neue Züge. Und Leute, darum geht es doch eigentlich! Es geht doch immer um die Verbesserung der eigenen Lebensqualität und um nichts anderes! Bei mir war es so, daß ich trotz diesem wirklich bösen Erwachen direkt wieder diesen Puls des Lebens gespürt habe und ich direkt belohnt wurde, ohne erst lange auf die Abstinenz-Dividende warten zu müssen. - Das Leben hält, was das Netz bloß verspricht.”
Einige Links zur weiteren Information:
...zur Internetsucht: Berichte aus einem Projekt der Humboldt-Universität Berlin
... Selbsthilfe: www.onlinesucht.de
...Große Publikumsforen: Wer den eigentlichen Internet-Grundgedanken, die Ermöglichung der demokratischen und „universellen” Verbreitung von Meinung und Information, nutzen will, sollte sich in das „usenet” begeben. Zum Hineinschnuppern: http://groups.google.com ; aber es ist hilfreich, sich erstmal mit den Grundlagen vertraut zu machen, die z.B. auf dieser Webseite gut dargestellt sind.
Viele deutschsprachige Zeitungen und Magazine betreiben eigene Publikums-Diskussionsforen, wie z.B. DER SPIEGEL (www.spiegel.de/forum) oder DIE ZEIT (www.debatte.zeit.de). Dort können die Teilnehmer ihre Beiträge unter dem berühmten Namenstitel des Spender-Magazins eintragen, was manche Anfänger ein bißchen mit (unausgesprochenem) Stolz erfüllt.
Es gibt auch viele Zielgruppen-Foren, z.B. bietet die Seite (www.forum-fuer-senioren) einen solchen, in diesem Fall altersspezifischen Diskussionsteil an. Es ist unmöglich, die Vielfalt der Foren hier darzustellen. Über die populären Suchmaschinen kann man sich sein Wunschforum recht einfach selbst heraussuchen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, in eines oder in mehrere davon einzusteigen: passen Sie ein bißchen auf sich auf… lesen Sie lieber nochmal im obigen Artikel nach, ob das Forums-Diskutieren wirklich „Ihr Ding” ist. Seien Sie sich bewußt, daß Sie sich in ein Umfeld begeben, in dem immer auch Süchtige am Wirken sein können.
Für den Selbstschutz in Foren, besonders in solchen, wo es heiß hergeht (politische, gesellschaftliche Themen, aber z.B. auch Aktienstränge), sollte man sich Regeln zueigen machen UND DIESE AUCH EINHALTEN, als da wären:
- nur sachlich schreiben. Ihre Richtschnur ist: was will ich WIRKLICH in Erfahrung bringen?
- persönliches Engagement hinsichtlich einzelner Teilnehmer vermeiden
- Zeiten für die Präsenz im Forum festlegen und limitieren
- Kritik nie persönlich nehmen
- unverschämte und persönlich werdende Beiträge ignorieren
- sich immer das Bewußtsein bewahren, sofort aussteigen zu können
- mehrtägige Pausen einlegen
Und die Grundregel schlechthin lautet:
Wenn Sie bemerken, daß das Forendiskutieren Sie irgend seelisch anzuspannen beginnt - dann wird es Zeit, damit Schluß zu machen.
In Deutschland treibt es Tag und Nacht Tausende auf dicht bevölkerte Versammlungsplätze, welche nirgendwo anders als auf Bildschirmen sichtbar sind – dorthin, wo Meinungen ausgefochten werden, wo Informationen, Lebenstips und auch ganz private, persönliche Geheimnisse ausgetauscht und erörtert werden.
Die Rede ist von den Diskussionsforen dieser Republik, die im Internet als Anhängsel der Onlinemagazine, aber auch auf zahlreichen Privat-Websites zu finden sind.
Dort geht es mitunter ziemlich ruppig zu. In politischen Diskussionssträngen beispielsweise wird der jeweils aktuellste Geniestreich der Regierung ebenso wortgewaltig in der Luft zerrissen, wie der Diskussionsgegner sich unvermittelt mit dem in deutschen Politdebatten beliebten Antisemitismus-Vorwurf konfrontiert sehen mag.
Längst gehören die populären Internet-Foren zum unverzichtbaren sozialen Bestandteil der Web-Kultur. Von den Tips für Häuslebauer und Aktienfreaks bis hin zu den düstersten Verschwörungstheorien findet über die Foren so ziemlich jedes Thema seine 'natürliche' Verbreitung und kollektive Erörterung. Auch sehr schräge veröffentliche Meinungen sind dort nachzulesen, weswegen in manchen Foren sehr auf die Etikette geachtet werden muß. Eigens zuständige Moderatoren weisen mitunter Teilnehmer, die aus der Rolle fallen, zurecht oder werfen sie auch schon mal ’raus aus der virtuellen Stammtischkneipe.
Die Debattenteilnehmer melden sich meistens unter einem Pseudonym an – was zum Einen ein Akt des Selbstschutzes ist, zum anderen dem Teilnehmer aber auch ermöglicht, sich zu „verabschieden” und unter anderem Namen „wiederzukommen”. In vielen Foren haben sich Communities gebildet, worunter man eine Insidergruppe von Leuten verstehen kann, die schon lange dabei sind, und die die forentypischen Etikette beherrschen bzw. sie selbst mitgeprägt haben. Forumsneulinge erleben solche „Alteingesessenen”-Gruppen dann als mehr oder weniger verschworene Gemeinschaft, deren Mitglieder im „Hatten wir doch alles schon!”- Ton dem noch Unbekannten das Leben schwer machen. Nicht selten werden Neuankömmlinge auf diese Weise aus dem Forum verbellt.
Für die Mitglieder der jeweiligen Community gibt es forenspezifische Plauderecken, in denen man zwanglos, an kein bestimmtes Thema gebunden, tratschen kann. Solche virtuelle Orte heißen dann „Café”, „Treffpunkt” oder ähnlich. Der Neuling kann sich dort einen schnellen Überblick verschaffen, wer in dem jeweiligen Forum schon länger dabei ist. Er wird auch feststellen, daß es Leute gibt, die offensichtlich tagaus-tagein 'anwesend' sind. Leute also, die in „ihrem” Forum einen Platz gefunden haben, welcher ihnen, im harmloseren Fall, zum entspannenden Zeitvertreib dient. Doch der unbefangene Beobachter wird auch die schwerwiegenderen Fälle erkennen: für manche Menschen sind die Foren, die sie regelmäßig besuchen, zum persönlich notwendigen sozialen Raum geworden. Manche stehen zu „ihren” Community-Plätzen in einem ernsten, schwer auflösbaren Abhängigkeitsverhältnis. Sie werden gegenüber Leuten, die dies thematisieren oder die schlicht ein entspannteres Verhältnis zum online-Diskutieren haben, bisweilen sogar bösartig oder zynisch.
Foren-Sucht...
Längst ist das Wort von der „Internetsucht” geprägt, und eine spezifische Variante davon dürfte die Chat- und Foren-Abhängigkeit („Forumitis”) mancher Zeitgenossen sein. Die ermöglicht es einem kontaktscheuen Menschen immerhin, mit anderen Menschen eine Verbindung einzugehen und auszuhalten - ohne dabei visuelle oder gar körperliche Nähe herstellen zu müssen.
Die damit einhergehende Vernachlässigung sozialer Kontakte stellt sich bei den ernsten Fällen alsbald ein. Für Online-Diskutierer, die darunter leiden, gilt: sie sitzen meistens länger als geplant am Computer. Sie kreisen in ihrer Freizeit um die Themen, die sie im Forum am Laufen haben (meistens haben sie mehrere Themen in mehreren Foren parallel laufen). Sie bagatellisieren ihre so verursachten Zeit- und Konzentrationsprobleme (z.B. vor der Ehefrau, dem Ehemann, den Kindern). Und sie werden nervös und reizbar „ohne” - mithin erleben sie also Entzugserscheinungen, was den Zustand als Sucht konkret werden lässt.
Paradoxerweise kann man im Internet sogar Diskussionsplätze ausfindig machen, wo Leute, die für sich selbst „Forensucht” diagnostiziert haben, ihr Problem regelmäßig online diskutieren, sich gegenseitig ermuntern und Tips für den Ausstieg aus der Sucht geben.
...Angst vor Nähe?
Es spricht vieles dafür, daß die Sucht nach bloß virtuellem Kontakt die Kehrseite einer Angst vor Nähe darstellt. Wenn man davon ausgeht, daß ein Mensch seine Sucht so lange durchhält, wie sie ihm einen (wenn auch für Außenstehende nur kleinen oder gar nicht nachvollziehbaren) Nutzen einbringt – dann ist die Frage zwingend: welcher Art ist dieser „Nutzen”?
Vordergründig läßt sich natürlich anführen, daß die Explosion an Informationen und der Möglichkeiten der Auseinandersetzung darüber, wie sie z.B. in einem Politikforum möglich ist, an einem Stammtisch mit den Nachbarn von nebenan nie erreicht werden kann. Andererseits werden mit einer bloßen Online-Präsenz aber auch die Risiken vermieden, die bei einer persönlichen Begegnung bestehen: Streit, sich- in- die- Augen- schauen (manche Leute haben genau damit Schwierigkeiten), Sympathiebekundung, Umarmung, emotionale Ausbrüche sind im rein virtuellen Raum eben bloß mittelbar erlebbar, wenn überhaupt. Dies bedeutet, daß die Risiken menschlicher Begegnung, oder die Anteile daran, welche nun mal die menschlichen Begegnungen spannend machen, in der virtuellen Begegnung ausgeblendet und buchstäblich weggeklickt werden können.
Die tragische Folge einer solchen Vermeidungshaltung zeigt sich in den Problemen, die bei Internet-Suchtpatienten inzwischen diagnostiziert sind: während sie, einerseits, vermittels ihrer Tastatur in der Lage sind, praktisch mit der ganzen Welt in „Kontakt” zu treten, erleben sie im realen Leben möglicherweise die Trennung vom Partner, eine fortschreitende Isolation unter Kollegen und in der Familie, und sie brechen schleichend mehr und mehr ihrer Kontakte zu Freunden, Bekannten oder im Verein ab. Schlicht deswegen, weil Zeit und Geist durch die „Forumitis” absorbiert sind.
Die Sucht nach dem virtuellen „Kontakt” könnte also möglicherweise nichts anderes darstellen, als die gelebte Praxis einer Flucht vor Nähe, vor Verantwortung, vor echtem und unmittelbarem Kontakt, vor Risiko, vor den Wechselfällen des Lebens schlechthin.
Der Umkehrschluß ist einfach: wem es gelingt, aus der festgefahrenen Sucht-Situation auszusteigen, der vollzieht an sich einen wichtigen Schritt persönlicher Entwicklung – heraus aus persönlicher Stagnation.
Ein ehemaliger Foren-Junkie formulierte es in einem Aussteiger-Forum so:
„Wer das Wagnis eingeht und sich von seiner kleinen, scheinbar sicheren Welt im Netz löst, der wird in der Realität SOFORT BELOHNT. Und zwar mit einem ganzen Schub neuer Emotionen, die man schon gar nicht mehr kannte, das Spektrum an möglichen Emotionen erweitert sich unheimlich und die eigene Gefühlswelt bekommt ganz neue Züge. Und Leute, darum geht es doch eigentlich! Es geht doch immer um die Verbesserung der eigenen Lebensqualität und um nichts anderes! Bei mir war es so, daß ich trotz diesem wirklich bösen Erwachen direkt wieder diesen Puls des Lebens gespürt habe und ich direkt belohnt wurde, ohne erst lange auf die Abstinenz-Dividende warten zu müssen. - Das Leben hält, was das Netz bloß verspricht.”
Einige Links zur weiteren Information:
...zur Internetsucht: Berichte aus einem Projekt der Humboldt-Universität Berlin
... Selbsthilfe: www.onlinesucht.de
...Große Publikumsforen: Wer den eigentlichen Internet-Grundgedanken, die Ermöglichung der demokratischen und „universellen” Verbreitung von Meinung und Information, nutzen will, sollte sich in das „usenet” begeben. Zum Hineinschnuppern: http://groups.google.com ; aber es ist hilfreich, sich erstmal mit den Grundlagen vertraut zu machen, die z.B. auf dieser Webseite gut dargestellt sind.
Viele deutschsprachige Zeitungen und Magazine betreiben eigene Publikums-Diskussionsforen, wie z.B. DER SPIEGEL (www.spiegel.de/forum) oder DIE ZEIT (www.debatte.zeit.de). Dort können die Teilnehmer ihre Beiträge unter dem berühmten Namenstitel des Spender-Magazins eintragen, was manche Anfänger ein bißchen mit (unausgesprochenem) Stolz erfüllt.
Es gibt auch viele Zielgruppen-Foren, z.B. bietet die Seite (www.forum-fuer-senioren) einen solchen, in diesem Fall altersspezifischen Diskussionsteil an. Es ist unmöglich, die Vielfalt der Foren hier darzustellen. Über die populären Suchmaschinen kann man sich sein Wunschforum recht einfach selbst heraussuchen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, in eines oder in mehrere davon einzusteigen: passen Sie ein bißchen auf sich auf… lesen Sie lieber nochmal im obigen Artikel nach, ob das Forums-Diskutieren wirklich „Ihr Ding” ist. Seien Sie sich bewußt, daß Sie sich in ein Umfeld begeben, in dem immer auch Süchtige am Wirken sein können.
Für den Selbstschutz in Foren, besonders in solchen, wo es heiß hergeht (politische, gesellschaftliche Themen, aber z.B. auch Aktienstränge), sollte man sich Regeln zueigen machen UND DIESE AUCH EINHALTEN, als da wären:
- nur sachlich schreiben. Ihre Richtschnur ist: was will ich WIRKLICH in Erfahrung bringen?
- persönliches Engagement hinsichtlich einzelner Teilnehmer vermeiden
- Zeiten für die Präsenz im Forum festlegen und limitieren
- Kritik nie persönlich nehmen
- unverschämte und persönlich werdende Beiträge ignorieren
- sich immer das Bewußtsein bewahren, sofort aussteigen zu können
- mehrtägige Pausen einlegen
Und die Grundregel schlechthin lautet:
Wenn Sie bemerken, daß das Forendiskutieren Sie irgend seelisch anzuspannen beginnt - dann wird es Zeit, damit Schluß zu machen.
JuergenD - 14. Jul, 19:10
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