22
Sep
2005

Die weisse Massai. Der Film.

Szenen einer Ehe

Von Jürgen Dick

Wer partout nichts Neues sehen oder gar erleben will, für den/die ist 'Die weisse Massai' der richtige Film.

Es ist ein konventioneller Film. Exotik. Erotik. Blondes have more fun. Ein Film, der bestenfalls als "wunderschön fotografiert" in die Annalen eingehen wird. Das ist schon vielen Filmen passiert, über die einem sonst nicht viel eingefallen ist.

'Die weisse Massai' lebt, soviel muss erwähnt sein, von der interessanten Leistung der Hauptdarstellerin Nina Hoss. Die Totalen, in denen ihr Gesichtsausdruck wirkt, sind das Beste an dem ganzen Streifen.

Für Männer ist der Film insofern unbefriedigend, als man darin einfach niemanden zum sich-Identifizieren aufzufinden vermag. Der Massai-Lover, dessen Charakter und Seelenpein konsequent aus der Frauenperspektive her übermittelt werden, dreht im Verlauf des Films immer mehr durch (fängt an zu saufen, verfällt dem Eifersuchtswahn usw.). Nicht wirklich der Held, wie wir Jungs ihn uns gewünscht hätten. So gehen wir schon lange nicht mehr mit unseren Frauen um.

Nicht ganz schlüssig ist die Muttertier-Rolle der Nina Hoss, die Bindung zu dem gemeinsamen Kind bleibt ein bißchen zu unterkühlt. Das Kind ist halt einfach da, das wirkt nicht authentisch.

Insgesamt könnte man dem Film natürlich diverse Parabeln entnehmen: z.B. diejenige, nicht ganz taufrische, auf die Ankunft des kapitalistischen Handels und Wandels in einer althergebrachten Kultur, welche Letztere es natürlich in ihren Grundfesten zersplittern muß, sobald eine Feministin mittendadrin einen Kolonialwarenladen eröffnet. Die Ehemänner rasten aus, die Familien zerfallen, alle fangen an, einander zu betrügen. Vorher war alles in Ordnung, alles hatte sich bis dato bequem in Ziegen abrechnen lassen.

Oder diejenige auf das grundsätzliche Nichteinanderverstehenkönnen der männlichen und der weiblichen Seite: Letztlich versiegt alle Männlichkeit vor dem erwachenden Bewusstsein der weiblichen Seite, aber das Weib bleibt wiederum mit seinem erwachten Bewusstsein auch wieder getrennt vom Manne. Der ewige Konflikt. Selber schuld, Weib.

Besser ist es allerdings, man rückt dem Film nicht allzu tiefschürfend zu Leibe. Es kommt nix richtiges bei 'raus. Aber die Frau Hoss ist den Film denn doch wert, der Trostpreis sozusagen.

Und: In afrikanischen Kinos gebe ich dem Streifen durchaus gute Chancen. Man sollte ihn dort jedoch unter dem Titel 'Verliebt in eine Hexe' vermarkten. Aber ich weiss nicht, ob dieser Hinweis unter dem Blickwinkel der political correctness eine gute Idee ist.

Empfehlung: Kann man. Muss man nicht. Und, Pluspunkt: In diesen Film können Sie unbesorgt mit Ihrer Frau reingehen. Vielleicht sollten Sie sogar mal wieder. So besehen, ist 'Die weisse Massai' eine Gelegenheit. Danach dann ein Rotwein.

Die weisse Massai
Drama
D 2005

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