Kultureller Aufbruch, endlich mal wieder!
Das Hanauer Bürgerfest macht jetzt richtig Spass
Von Jürgen Dick
Das Hanauer Bürgerfest hat dieses Mal so richtig Spass gemacht. Nach all den Jahren der Stagnation, deren Ursachen, wenn überhaupt, dann nur oberflächlich erörtert worden waren, mal entlang zeitweise unbefriedigender Besucherzahlen oder des Wetters, mal in Bezug auf den angeblich ungünstigen Standort am Mainufer, hat sich etwas Grundlegendes geändert.

Nicht allzu lange ist es her, daß dem Hanauer Bürgerfest die Verwandlung in eine seelenlose Nullachtfünfzehn-Kirmes gedroht hat. So geschehen während der grandiosen Härtel-Ära. Und hat man dieses Fest nicht sogar noch unlängst ganz aus dem Programmkalender tilgen wollen?
Nun jedoch scheint es, daß der kulturelle Stillstand nachhaltig überwunden ist – und das ist nicht zuletzt auch der Präsenz einiger Mitveranstalter zuzuschreiben, die auszeichnet, dass sie ganz offensiv ein (Musik-) Programm abseits des üblichen Mainstreams anbieten (und für die einfach mal irgendjemand eine Lanze brechen muß).
Die angesagtesten Zelte beim Hanauer Bürgerfest waren bereits im Vorjahr das Halle2-Zelt und das Matrax-Zelt. Mit dem Brückenkopf/DasQbar-Zelt ist diesen beiden Szene-Schwerpunkten heuer ein weiterer Bruder im Geiste zugewachsen. Man konnte somit beim diesjährigen Hanauer Bürgerfest drei Szene-Treffpunkte anlaufen. Früher bezeichnete man das, was dort geboten wurde, als sogenanntes „Alternativ“-Programm.
So ist zum Beispiel der alljährliche, zweitägige „Hoffnungsträger“-Wettbewerb in der „Halle2“ einfach was Besonderes. Mir ist dabei regelmäßig völlig egal, wer gewinnt. Die musizierende Hanauer Jugend bekommt hier die ihr gebührende Möglichkeit, sich zu zeigen und sich auszuprobieren, nicht zuletzt vor all ihren Kumpels, KlassenkameradInnen und, ja, sogar Eltern. Und die ZuhörerInnen bekommen garantiert viel Neues, Interessantes zu sehen und zu hören auf dieser verrückten Halle2-Bühne mit ihrer besonderen Licht-Performance.
Dort ist dann auch sogar das vermeintlich „Alte“ nicht zu verschmähen.
So lässt sich zum Beispiel auf der Basis meiner jüngst gewonnenen Erfahrungen eines Abends im Halle2-Zelt konstatieren, dass im Gegensatz zu den Prophezeihungen aus den Musikfachlättern weder der HipHop noch der Death Metal tot sein können. Insbesondere der HipHop Hanauer Prägung hat etwas Grassroot-Städtisches, im Grunde ist es eine Art Bühnen-Aufführungssportart für junge (zumeist:) Männer, denen es wichtig ist, gehört zu werden. Dieses Bedürfnis ist im Zeitalter des allgegenwärtigen Mediengeraunes elementar, und die Bühne bietet dafür die Verstärkerleistung an, welche dem Youngster im gemeinen vorstädtischen Alltag wie auch beim Anblick der sonntäglichen Christiansenrunde nicht zur Verfügung steht.
Oder nehmen wir den Death Metal. Wann gibt’s den schon mal in der freien Hanauer Wildbahn zu hören? Und vor allem: zu sehen? Das ist eine Musik, mit der man die Eltern aus dem Jugendzimmer hinausbekommen kann. Hier wird im Grunde der Urstoff des Männlichen inszeniert – die Sänger singen im allgemeinen so tief und heiser, dass man entweder den Gottseibeiuns am Mikrofon wähnt oder aber den wahlkämpfenden Joschka assoziiert, was aber wahrscheinlich sowieso so ziemlich dasselbe ist. Als Begleitung zum Sound kreisen Haarschöpfe auf der Bühne wie im Publikum, und man denkt sich: es hätte sich spannend ausgenommen, eine solche Band einmal auf einem Abiturfest zur Zeit der Adenauer-Ära erlebt zu haben - was einem aber zur damaligen Zeit bestimmt missgönnt worden wäre; schon aus ordnungsamtlicher Räson heraus. Wahrscheinlich wäre damals mindestens der Hausmeister gekommen, und der Spaß wäre vorbei gewesen. Daß der heutzutage nicht kommt, macht uns somit bewusst, dass sich gesellschaftliche Fortschritte auch in den kleinen Dingen zeigen.

Anders als in den Halle2-Licht- und Sound-Gewittern verlaufen die Geschehnisse im Matrax- wie auch im Brückenkopf-Zelt. Hier herrschen zumeist etwas ruhigere Töne vor. Wir erfreuten uns zum Beispiel an einer Irish-Folk-Band mit dem seltsamen Namen „The pig that fell over“. Die Gruppe vermittelt optisch wie musikalisch authentisches Pub-Feeling, so wie das Matrax-Zelt ja übrigens in den Kategorien "Feeling", wie auch "Personal", "Programm" und "Publikum" für den Gewinn des KOZ-Ähnlichkeits-Contests gesetzt werden müsste (aber nur ganz knapp vor dem Brückenkopfzelt, um fair zu bleiben).
Wenn Sie jetzt nicht mehr so genau wissen, wovon die Rede ist, dann haben Sie den „Kenn-ich-mich-in-der-Szene-aus“-Test nicht bestanden, aber machen Sie sich nichts draus.
Fettes Fazit: Nächstes Jahr kommen wir wieder!
Von Jürgen Dick
Das Hanauer Bürgerfest hat dieses Mal so richtig Spass gemacht. Nach all den Jahren der Stagnation, deren Ursachen, wenn überhaupt, dann nur oberflächlich erörtert worden waren, mal entlang zeitweise unbefriedigender Besucherzahlen oder des Wetters, mal in Bezug auf den angeblich ungünstigen Standort am Mainufer, hat sich etwas Grundlegendes geändert.

Nicht allzu lange ist es her, daß dem Hanauer Bürgerfest die Verwandlung in eine seelenlose Nullachtfünfzehn-Kirmes gedroht hat. So geschehen während der grandiosen Härtel-Ära. Und hat man dieses Fest nicht sogar noch unlängst ganz aus dem Programmkalender tilgen wollen?
Nun jedoch scheint es, daß der kulturelle Stillstand nachhaltig überwunden ist – und das ist nicht zuletzt auch der Präsenz einiger Mitveranstalter zuzuschreiben, die auszeichnet, dass sie ganz offensiv ein (Musik-) Programm abseits des üblichen Mainstreams anbieten (und für die einfach mal irgendjemand eine Lanze brechen muß).
Die angesagtesten Zelte beim Hanauer Bürgerfest waren bereits im Vorjahr das Halle2-Zelt und das Matrax-Zelt. Mit dem Brückenkopf/DasQbar-Zelt ist diesen beiden Szene-Schwerpunkten heuer ein weiterer Bruder im Geiste zugewachsen. Man konnte somit beim diesjährigen Hanauer Bürgerfest drei Szene-Treffpunkte anlaufen. Früher bezeichnete man das, was dort geboten wurde, als sogenanntes „Alternativ“-Programm.
So ist zum Beispiel der alljährliche, zweitägige „Hoffnungsträger“-Wettbewerb in der „Halle2“ einfach was Besonderes. Mir ist dabei regelmäßig völlig egal, wer gewinnt. Die musizierende Hanauer Jugend bekommt hier die ihr gebührende Möglichkeit, sich zu zeigen und sich auszuprobieren, nicht zuletzt vor all ihren Kumpels, KlassenkameradInnen und, ja, sogar Eltern. Und die ZuhörerInnen bekommen garantiert viel Neues, Interessantes zu sehen und zu hören auf dieser verrückten Halle2-Bühne mit ihrer besonderen Licht-Performance.
Dort ist dann auch sogar das vermeintlich „Alte“ nicht zu verschmähen.
So lässt sich zum Beispiel auf der Basis meiner jüngst gewonnenen Erfahrungen eines Abends im Halle2-Zelt konstatieren, dass im Gegensatz zu den Prophezeihungen aus den Musikfachlättern weder der HipHop noch der Death Metal tot sein können. Insbesondere der HipHop Hanauer Prägung hat etwas Grassroot-Städtisches, im Grunde ist es eine Art Bühnen-Aufführungssportart für junge (zumeist:) Männer, denen es wichtig ist, gehört zu werden. Dieses Bedürfnis ist im Zeitalter des allgegenwärtigen Mediengeraunes elementar, und die Bühne bietet dafür die Verstärkerleistung an, welche dem Youngster im gemeinen vorstädtischen Alltag wie auch beim Anblick der sonntäglichen Christiansenrunde nicht zur Verfügung steht.
Oder nehmen wir den Death Metal. Wann gibt’s den schon mal in der freien Hanauer Wildbahn zu hören? Und vor allem: zu sehen? Das ist eine Musik, mit der man die Eltern aus dem Jugendzimmer hinausbekommen kann. Hier wird im Grunde der Urstoff des Männlichen inszeniert – die Sänger singen im allgemeinen so tief und heiser, dass man entweder den Gottseibeiuns am Mikrofon wähnt oder aber den wahlkämpfenden Joschka assoziiert, was aber wahrscheinlich sowieso so ziemlich dasselbe ist. Als Begleitung zum Sound kreisen Haarschöpfe auf der Bühne wie im Publikum, und man denkt sich: es hätte sich spannend ausgenommen, eine solche Band einmal auf einem Abiturfest zur Zeit der Adenauer-Ära erlebt zu haben - was einem aber zur damaligen Zeit bestimmt missgönnt worden wäre; schon aus ordnungsamtlicher Räson heraus. Wahrscheinlich wäre damals mindestens der Hausmeister gekommen, und der Spaß wäre vorbei gewesen. Daß der heutzutage nicht kommt, macht uns somit bewusst, dass sich gesellschaftliche Fortschritte auch in den kleinen Dingen zeigen.

Anders als in den Halle2-Licht- und Sound-Gewittern verlaufen die Geschehnisse im Matrax- wie auch im Brückenkopf-Zelt. Hier herrschen zumeist etwas ruhigere Töne vor. Wir erfreuten uns zum Beispiel an einer Irish-Folk-Band mit dem seltsamen Namen „The pig that fell over“. Die Gruppe vermittelt optisch wie musikalisch authentisches Pub-Feeling, so wie das Matrax-Zelt ja übrigens in den Kategorien "Feeling", wie auch "Personal", "Programm" und "Publikum" für den Gewinn des KOZ-Ähnlichkeits-Contests gesetzt werden müsste (aber nur ganz knapp vor dem Brückenkopfzelt, um fair zu bleiben).
Wenn Sie jetzt nicht mehr so genau wissen, wovon die Rede ist, dann haben Sie den „Kenn-ich-mich-in-der-Szene-aus“-Test nicht bestanden, aber machen Sie sich nichts draus.
Fettes Fazit: Nächstes Jahr kommen wir wieder!
JuergenD - 7. Sep, 20:21
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